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CH - Forum "Hello Shitty World"
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Fr / Sa / So 14 - 20 Uhr
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CH - Forum "Hello Shitty World"
Gamelounge präsentiert von FLX, GRRRR, Marc Divo und Mickry Drei


Nach "Supermarkt" und den in lautem Zellophan verpackten Pappe-Träumen laden Mickry Drei und ihre Freunde nun zum Gamen ein.

Sind virtuelle Möglichkeiten wahr oder falsch?
Während man in der realen Welt testen kann, was Wirklichkeit und was Fiktion ist, hat man es im Virtuellen mit nur möglichen Möglichkeiten zu tun. Die Wörterbücher geben meistens das Wort "möglich" als Synonym für virtuell an, also nehmen wir uns für einmal zurück, in "Hello Shitty World!" zwischen wahr und falsch zu unterscheiden.

   Diese Welt bietet nämlich gleich mehrmals Gelegenheit, in sie ein- oder abzutauchen, je nach dem, ob wir einfach darin herumspazieren, uns frohen Mutes mit fünf anderen Spielern auf das Computer-game einlassen, oder uns beim Eingang/Exit von "Hello Shitty World!" mit latent nützlichen Utensilien und Souvenirs im Shop eindecken.

Die Anspielung auf "Hello Kitty's World" und ihre Freunde ist ganz bewusst und teils fast ein bisschen bösartig, denn neben dem ähnlich klingenden Shitty/Kitty ist hier eigentlich alles verkehrt zum realen mit Teletubbies, Furbies, Pokémons und sonstigen Monsters Inc. ausstaffierten (Kinder-) Alltag. Die sechs häufchen- bis metergrossen Helden von "Hello Shitty World!" sind aus Maschendraht geformt und mit Zeitungspapier überzogen, die feineren Details mit Seidenpapier gefertigt. Die Materialeigenschaft dieser götzenartigen Figuren ist also eine Persiflage mehr auf die bestechend sterile Plastizität des Kätzchens "Kitty" und deren damit motiviertes Merchandising.

Der mit Kunstrasen, mit Bäumen, Felsen und Ge- wässern ausgestaltete bzw. tapezierte Raum und die stark variierenden Dimensionen der Figuren paro-dieren die Niedlichkeit der "Hello Kitty's World" - Objekte und die Tatsache, dass "Kitty" im Grunde genommen nur ein Surrogat ihrer eigenen Existenz ist - eine Medien- oder sonstige Realität ausser derjenigen ihres Labels. "Hello Shitty" und Co. sind in der Lounge als stoffige Joysticks wiederzufinden, die durch Manipulation (Streicheln, Kneifen, Klopfen, usw.) direkt in das Game überleiten.

Die zweite Erlebnismöglichkeit dieser synthetisch-virtuellen Welt ist das Gameplay. Es soll beim Spiel bewusst unklar bleiben, ob man sich nun mit "Hello Shitty" bzw. einer der fünf weiteren Figuren via entsprechendem Joystick identifizieren muss, oder ob man Einfluss auf deren problematischen Gemütszustände und schrägen Handlungszwänge nehmen kann. Ein bisschen von beidem ist in dieser selbstreferentiellen Umgebung wohl der Fall.

Das mit "3D Game Engine Design" generierte Interface beruht auf zwei Prinzipien: Zum einen auf dem bewährten Technikverständnis von "less is more", wonach mit möglichst wenig technologischem Aufwand das technisch Erwünschte erzeugt wird, und daraus erfolgt unter der Bedingung einer guten Spielkonstellation gewissermassen das zweite Prinzip der "Media-Poiese", die Produkterzeugung (jeglicher ausser physisch-materieller Art!) durch eigene Operationen im Mediensystem.

  

Die dritte der vermeintlich möglichen Möglichkeiten wird mit dem "Hello Shitty World!"-Merchandising am Eingang/Exit der Lounge dann trotzdem wahr. Der Shop soll den längst überwunden geglaubten "Gotta catch 'em all!"-Reflex wieder auslösen, und dafür sind auch nicht 250 verschiedene Charaktere wie bei den Pokémons notwendig. Denn das Environment, in welches man hier eintauchen kann, macht uns so einiges auf poetisch gerissene Weise bewusst ...

"Unsere Einwirkung auf das Verhalten, die in Verbindung mit den anderen, wünschenswerten Aspekten einer Revolution der Lebensgewohnheiten steht, kann knapp durch die Erfindung von Spielen neuer Art definiert werden. Das allgemeinste Ziel muss die Erweiterung des nicht mittelmässigen Teils des Lebens einerseits und die möglichst weitgehende Verringerung der leeren Augenblicke anderer-seits sein." (Guy Debord, Rapport zur Konstruktion von Situationen, Hamburg 1980 (erstmalig 1957), S. 45)

"Hello Shitty World!" ist die fünfte Kollaboration zwischen den Künstlern FLX (*1977), GRRRR (*1975), Marc Divo (*1966) und Mikry Drei (*1980/*1981/ *1978) nach "Disco TV" in der Marx Bar (Luxembourg, April 2000), in der Galerie Radio Berlin (Berlin, Juli 2000), im Espace Karim Francis (Kairo, Dezember 2000) und im Kunstraum Walcheturm (Zürich, September 2001).
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