Charles Burns
Charles Burns' Comics sind - so streng, so kühl sie wirken mögen - lustig. Sie lachen über den Wahn, alles machen zu können. Sie lachen über die Angst vor Gespenstern. Sie lachen liebevoll über
die tödliche Populärkultur, indem sie ihr eine fröhliche entgegenstellen, die keinen Zweifel daran
lässt, dass hier etwas nicht stimmt.
 "Finde all die Schlangen und Eier, die auf dem Bild sind!" Als Françoise Mouly und Art Spiegelman ihre neue Anthologie "Little Lit" ankündigten, war ein Beitrag von Charles Burns kaum vorstellbar. "Little Lit" sollte auf hohem Niveau Comics für Kinder bereitstellen, den Nachwuchs für ein Medium
begeistern, das regelmässig zu verschwinden droht. Literatur für die Kleinen: Das sind Charles Burns' Comics nicht. Sie sind unheimlich, dunkel und mysteriös, seltsam und beängstigend - für Kinder kaum geeignet. Er steuerte eine Doppelseite mit dem Titel "Spookyland" bei, auf der unzählige Schlangen und Eier
zu sehen sind. Gelegte Eier, Figuren mit einem angeknacksten Eierkörper, lebende Schlangen, sich schlängelnde Linien - ein schwarzweisses Panorama, das an einen Höllenpfuhl erinnern könnte, wenn Humpty Dumpty nicht so freundlich lächeln
würde.
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"Finde all die Schlangen und Eier, die auf dem Bild sind!" -
Eine Aufforderung, die an eine Geschichte von Joe Orlando aus "Weird Fantasy" Nr. 13 von 1952 erinnert: "Don't Count Your Chickens" teilt viel über Charles Burns' Comics mit. Dort findet der kleine Tony an einem schönen Ostersonntag ein Osterei,
das ihm nicht seine Eltern, sondern offenbar der Osterhase gebracht hat. Seine Mutter wundert sich, wer das hübsche,
bunte Ei bemalt haben mag, und der Vater witzelt, dass er sich umbringen wird, weil die Nachbarn die Ostereier besser bemalen als sie. Das Ei entpuppt sich, wie in einer "Weird Fantasy" zu erwarten, als Alien, der mit telepathischen Kräften Tony dazu bringt, ihn zu verstecken und, nachdem er geschlüpft ist, mit Fleisch zu ernähren. Der unförmige Ausserirdische wächst und wächst, bis er ganze Kühe mit einem Biss verschlingt.
Tony ist abgemagert längst in die Ferien verschickt, als der gefährliche Alien endlich entdeckt und erstaunlich unprätentiös mit Flammenwerfern zu Tode geröstet wird. Aber es wäre
keine Geschichte der "Entertaining Comics", wenn nach diesem Mord nicht noch zwei Panels folgen würden: Im ersten finden niedliche kleine Kinder am folgenden Ostersonntag fröhlich bemalte Ostereier, die im letzten Panel von den Eltern
angenommen werden - "Perhaps it's the neighbors, Willie...!
I wouldn't worry about it", beruhigt die Mutter, und die
Herausgeber ergänzen: "We would, Willie!" » weiterlesen
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Biographie
Charles Burns wurde 1955 in Washington D.C. geboren. Er studierte u.a. mit
Matt Groening und Linda Barry in Seattle. Seit 1979 lebt er in Philadelphia, seit
1981 veröffentlicht er regelmässig Comics unter anderem in RAW, Metal Hurlant und verschiedenen eigenen Heften.
Veröffentlichungen
Bei Fantagraphics erschien jüngst eine Werkausgabe mit drei Hardcover-Ausga-ben: "Skin Deep", "Big Baby" und "El Borbah". Auf Deutsch sind seine Werke bei Reprodukt und Alpha Comics / Edition Kunst der Comics erschienen. Zum Festival erscheint bei Reprodukt der 4. Band von "Black Hole".
Weitere Informationen
» www.fantagraphics.com/artist/burns/burnsbio.html
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