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junges comic-schaffen aus portugal / www.bedeteca.com
Obwohl Portugal auf eine reiche und breit gefächerte Comic-Landschaft stolz sein darf, haben in der 150-jährigen Geschichte des portugiesischen Comics nur wenige einheimische Comicschaffende die Landesgrenzen überschreiten und ihre Werke auch im Ausland publizieren können. Das ist umso bedauerlicher, als die Geschichte des portugiesischen Comic zahlreiche Werke von höchster Qualität hervorgebracht hat. Neben sprachlichen Ursachen könnte auch die klassische Erscheinungsweise portugiesischer Comics dazu beigetragen haben, dass diese selten internationale Beachtung fanden. Abgesehen von einer Phase in den Vierziger- und Fünfzigerjahren, in denen Comicalben mit meist pädagogisch-historischen Inhalten populär waren, gab es bis 1970 nur wenige Alben in Portugal. Die Bildgeschichten erschienen fast ausschliesslich in Magazinen und in anderen Periodika. Erstausgaben in Albumform waren noch seltener.

In den Neunzigerjahren förderte die damalige sozialistische Regierung das Medium mittels Stipendiengeldern, und die Comicszene erlebte so etwas wie einen Boom. In dieser Zeit formten sich zwei Hauptentwicklungsstränge des portugiesischen Comic heraus. Auf der einen Seite stand die Weiterentwicklung der klassischen Comics, die einem historisch-didaktischen Realismus verpflichtet waren. Parallel dazu begann sich jetzt aber auch eine alternative Comicszene herauszubilden.

Zudem wurden seit den Neunzigerjahren vermehrt auch Alben publiziert. Diese Entwicklung schuf zusätzliche Anreize zur Erarbeitung soliderer und ambitiöserer Werke. Beispielhaft für diese Entwicklung könnte man den 1965 in Lissabon geborenen Filipe Abranches nennen. Nachdem es ihm gelungen war, einige seiner Kurzgeschichten in Frankreich zu publizieren, renovierte und modernisierte er mit seiner "História de Lisboa" die klassische portugiesische Comicschule.

Auf der Independent-Schiene können unter anderem Namen wie Paulo Patrício und João Fazenda angeführt werden. Die Geschichten der alternativen portugiesischen Comics der Neunzigerjahre tragen, ähnlich wie in Frankreich, tendenziell autobiographische Züge, und sie beschäftigen sich häufig mit dem Alltäglichem. Zudem herrscht auch in der portugiesischen alternativen Comicszene eine gewisse kreative Polyvalenz. So schlüpft zum Beispiel Paulo Patrício mühelos einmal in die Rolle des Szenaristen, ein andermal in die des Zeichners.



Heute kämpft die Szene wiederum vermehrt mit Schwierigkeiten. So findet zum Beispiel der Salão in Lissabon, ein Ausstellungsforum für alternative Comics, neuerdings nur noch alle zwei Jahre statt, und ein entsprechendes Forum in Porto wurde kürzlich ganz eingestellt. Ein Fels in der Brandung ist jedoch die dem Kulturministerium unterstellte Comicbibliothek Bedeteca de Lisboa, die historische portugiesische Werke sammelt, junge Zeichner durch Ankäufe oder Herausgabe ihrer Bücher unterstützt und auch Ausstellungen organisiert.

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