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Bitterkomix: Comics aus Südafrika  Gastgruppe
[ 13 ] Hl. Geist-Kapelle, Hoftrakt Stadthaus, Hirschengraben 17



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Fumetto sucht seit jeher aktiv den internationalen Austausch und bemüht sich immer wieder, Gruppen aus Ländern einzuladen, deren Comic-Szenen hierzulande (noch) völlig unbekannt sind. Nach Gastgruppen aus Israel (die mittlerweile international renommierten Actus Tragicus) und Hongkong präsentiert Fumetto (in Zusammenarbeit mit der Pro Helvetia) einmal mehr Comics, die in Europa bisher noch nicht zu sehen waren: Comics aus Südafrika.

1992 riefen die umtriebigen Anton Kannemeyer (alias Joe Dog) und Conrad Botes (alias Konradski) das fortan einmal jährlich erscheinende Underground-Comic-Magazin "Bitterkomix" ins Leben, in welchem sich südafrikanische Zeichner mit provozierender Offenheit und Direktheit austobten. Der Einfluss aus Europa und den USA war offensichtlich - ihre Geschichten und Themen aber waren tief in der südafrikanischen Gesellschaft und Kultur verwurzelt.

Auch nach dem Sturz des Apartheid-Regimes 1994 und dem Verschwinden der repressiven Zensur, erklärt Gregory Kerr in einem Essay (publiziert u.a. in Bitterkomix Special Edition 2002) blieben die weissen Künstler dem Druck der Afrikaandergesellschaft unterworfen: "Die Normen und Werte der faschistischen Gesetzgebung der Nationalisten überlebten in der Familie und engeren Gesellschaftskreisen." Künstler wie Kannemeyer und Botes rebelliertenAuch nach dem Sturz des Apartheid-Regimes 1994 und dem Verschwinden der repressiven Zensur, erklärt Gregory Kerr in einem Essay (publiziert u.a. in Bitterkomix Special Edition 2002) blieben die weissen Künstler dem Druck der Afrikaandergesellschaft unterworfen: "Die Normen und Werte der faschistischen Gesetzgebung der Nationalisten überlebten in der Familie und engeren Gesellschaftskreisen." Künstler wie Kannemeyer und Botes rebellierten mit ihren Provokationen wider diese Werte und, wichtiger noch, wider die Machtstrukturen und die von ihnen geförderten Heucheleien und Missbräuche. Deshalb umkreisen die Bitterkomix-Autoren in ihren Geschichten mit einer geradezu manischen Vehemenz Themen wie Inzest, Vergewaltigung, Folter, Homophobie, Frauenfeindlichkeit, rassische Stereotypen und ähnliches. "Fast jeder Strip", so Kerr weiter, "ist ein Ausflug in die verbotenen Zonen der calvinistischen Christian National Education und ihrer bis heute heiligen Werte. Für das Zielpublikum - die ähnlich indoktrinierte und rastlose Afrikaanderjugend - ist diese Respektlosigkeit den Strukturen und Autoritäten gegenüber eine grossartige Provokation. Für die Leser gibt es keinen Mittelweg: Entweder sie nehmen die Geschichten mit einem lauten Aufschrei von Dankbarkeit auf, oder sie verurteilen die Bitterkomix-Macher als Verräter der Nation, Perverslinge und Antichristen."

In seinem Comic "Why Bitterkomix" bestätigt Joe Dog diese Gedanken, indem er sich bei Familie, Schule und Kirche für seinen Erfolg bedankt: "Nachträglich muss ich mich wohl bei diesen Leuten für meine kaputte Kindheit bedanken. Sie haben mir Inspiration und Mitgefühl gegeben, aber ich werde immer vor ihnen wegrennen, ich werde nie anhalten."

Da die ersten Ausgaben von "Bitterkomix" in Afrikaans erschienen, dauerte es lange, bis die südafrikanische Szene im nicht flämischsprachigen Europa wahrgenommen wurden. 1999 sorgte die erste englisch-sprachige Anthologie von "Bitterkomix" für umso mehr Furore vor allem in Frankreich, und man nahm erstaunt zur Kenntnis, was für radikale und kompromisslos politische Comics Südafrika hervorbrachte: Comics, die ohne Rücksicht auf Verluste und Korrektheit die wunden Stellen der südafrikanischen Gesellschaft angriffen und auf die komplexe, zerrissene und widersprüchliche Geschichte und aktuelle Situation des Landes mit ebensolchen Comics reagierte.

"Warum ist Bitterkomix so speziell?" fragte das Magazin Student Life 1999 und beantwortete diese Frage mit weiteren Fragen: "Weil Joe Dog, Konradski und die anderen den sicheren Kokon der Repression gesprengt haben? Weil sie tabulose Exhibitionisten sind? Weil sie bekennende Wichser, Opfer, Anarchisten und Punks sind? Weil Bitterkomix Schäden aller Art aufzeigt, Wahrheit und Lügen, und alles, was für hässlich und unverschämt gehalten wird? Die Witze sind weit jenseits von lustig, sie sind krank, und sie sind wahr."



Biographien:
Anton Kannemeyer (alias Joe Dog):1967 in Kapstadt geboren, studierte er Graphic Design und Kunst in Stellenbosch. 1989 zeichnete er mit Conrad Botes den ersten Comic und gründete 1992 Bitterkomix. Zahlreiche Publikationen und Ausstellungen in Südafrika und Europa. Derzeit lebt er in Pretoria als Universitätsdozent und freischaffender Illustrator. Anton Kannemeyer ist der Kurator der Fumetto-Ausstellung.

Conrad Botes (alias Konradski): 1969 in Ladysmith geboren, studierte er Graphic Design und Kunst in Stellenbosch. Er verbrachte ein Jahr in Holland, gründete 1992 Bitterkomix. Zahlreiche Veröffentlichungen und Ausstellungen in Südafrika und Europa. Er lebt als freischaffender Illustrator und als freier Dozent an der Universität von Stellenbosch.

Mark Kannemeyer (alias Lorcan White): Geboren 1965 in Kapstadt. Kunststudium in Johannesburg und an der Hochschule der Künste Berlin. Gehört seit der 3. Ausgabe zu Bitterkomix. Seit seiner Rückkehr nach Südafrika, 1995, hatte er einige erfolgreiche Ausstellungen. Er lehrt an der Foundation School of Art in Kapstadt und arbeitet als freier Illustrator.

www.litnet.co.za/komix
www.bitterkomix.com
www.comicsbrew.com





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