Internationales Comic-Schaffen



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Gastgruppe Südafrika
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Junge Zeichner aus Spanien
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Comics im Kunstmuseum Luzern
True Stories


Junge Zeichner aus Spanien
[ 5 ] Hotel Löwengraben, Dachstock, Löwengraben 18





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Was für die spanische Kulturszene im allgemeinen galt, traf auch auf die Comic-Szene zu: Nach Francos Ableben kam es zu einer kreativen Explosion, und während der ganzen Achtzigerjahre galt Spanien als eine Hochburg der Comics. Kaum eine Comic-Szene war so interessant, so risikofreudig, so vielfältig, so verspielt und so erfolgreich wie die Spanische. Zahlreiche Zeitschriften und Verlage kümmerten sich um die Szene, die Auflagen waren hoch genug, um den Zeichnern ein Auskommen zu bieten, und etliche - allen voran Max - schafften den Sprung ins Ausland.

Zu Beginn der Neunzigerjahre verflüchtigte sich diese Euphorie jedoch, und auch die spanische Comic-Szene wurde von der Rezession eingeholt: Die Auflagen brachen ein, Zeitschriften wurden eingestellt, kleine Verlage gingen Konkurs, und die meisten Zeichner verloren ihr Einkommen und wanderten in andere Jobs ab, wurden Illustratoren oder Werbegraphiker.

Eine Krise indes ist immer auch die Chance für einen Neubeginn. Das war vor gut zehn Jahren in Frankreich und Deutschland so, und das stimmt heute auch für Spanien. Letztlich wird es immer und überall Comic-Zeichner geben, und diese werden immer und überall einen Weg finden, ihre Arbeiten zu veröffentlichen.

Spaniens neue Comic-Generation ist pragmatisch: Die Zeichner sind sich bewusst, dass sie nie vom Comic-Zeichnen allein werden leben können. Ihr Geld verdienen sie anderswo, als Illustratoren, Graphiker, Dozenten oder Kellner. Dafür brauchen sie beim Comic-Zeichnen nicht auf den Markt zu schielen und sich nicht zu verbiegen, um kommerzieller zu sein. Weil sie nicht vom Comic leben müssen, können sie genau die Comics zeichnen, die ihnen vorschweben. Das wiederum führt zu einer erstaunlichen Fülle an interessanten, verblüffenden, zukunftsweisenden oder schlicht unterhaltsamen Comics. Kurz: Die heutige Szene ist zwar weniger erfolgreich als ihre Vorväter aus den Achtzigerjahren, aber nicht minder kreativ.

Die jungen spanischen Zeichner können sich glücklich schätzen. Denn sie haben Max. Max ist zwar erst 48jährig, aber seine Erfahrung, seine Klasse und sein (internationaler) Erfolg machen ihn zum grossen alten Mann der spanischen Comic-Szene. Max ist zwar einer der erfolgreichsten Illustratoren Spaniens, aber er hat dem Comic die Treue gehalten und gab während der kommerziell düstersten Periode mit viel Trotz und in noch mehr unbezahlter Fronarbeit die wunderbare vierteljährlich erscheinende Anthologie "Nosotros Somos Los Muertos" heraus. So sorgte er für Kontinuität und Austausch: Zum einen blieb Spaniens Nachwuchs über die internationalen Entwicklungen in der Independent-Szene informiert, zum anderen gab er jungen Spaniern eine auch im Ausland beachtete Plattform für erste Veröffentlichungen. Max setzt sich unermüdlich für junge Talente ein (es ist kein Zufall, dass er diese Ausstellung angeregt und die Auswahl der Zeichner entscheidend mitgeprägt hat) - andererseits aber zehrt er wiederum von der Energie der jungen Zeichner und lässt sich von ihrer Vitalität anstecken und mitreissen.

Die zum Festival erscheinende Ausgabe des Zürcher Comic-Magazins Strapazin (Nummer 74) widmet sich dem spanischen Comicschaffen und wird Arbeiten der am Fumetto präsentierten Zeichner abdrucken.



Die Zeichner:
ARIO ADANTI (Buenos Aires, 1971) Veröffentlichte zuerst in argentinischen Zeitschriften wie El Porteño und Humor und in Tageszeitungen wie Pàgina 12 oder Clarín. Landete 1995 in Spanien, wo er sich mit Alben wie La ballena tatuada, La cosa pringosa, Kolmillo blanco oder El calavera vuelva a casa bald einen Ruf schaffte. Erscheint wöchentlich in der Satirezeitschrift El Jueves und produziert regelmässig Animationen für MTV Latino.

GABI BELTRÁN (Palma de Mallorca, 1966) Klares Beispiel einer Karriere, die vom wirtschaftlichen Zusammenbruch Ende der Achtzigerjahre in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ihre ersten Arbeiten erschienen bei Totem, sie veröffentlichte in Zeitschriften wie Víbora und im Katalog Injuve, dann verlagerte sich ihr Schaffen auf Kinderzeitschriften wie Tretzevents, Rifirafe und Cavall Fort, wobei sie die persönlicheren Geschichten für Zeitschriften wie Nosotros Somos Los Muertos aufhob.

SANTIAGO GARCÍA (Madrid, 1968) Journalist, Übersetzer und Drehbuchautor Mitherausgeber von auf Comics-Kritik spezialisierten Zeitschriften wie Volumen oder U. Autor von Büchern wie La noche del murciélago, Mangamanía oder El mapa de los sueños (mit Eduardo García-Sánchez). Arbeitet zurzeit an verschiednen Album-Projekten, unter anderem an Beowulf, zusammen mit Javier Olivares und El vecino mit Pepo Pérez.

KEKO (Madrid, 1963) Einer der solidesten Erzähler aus der Generation von Madriz, mit einem beklagenswerterweise zum grössten Teil unveröffentlichten Werk: Zusammenarbeit mit Mique Beltrán für Livingston contra Fumake und mit Ramón de España für Brendan Beckett: el amor duele, das für den französischen Markt bestimmt war. Grandioses Comeback im 21. Jh. mit dem preisgekrönten und starken Album Cuatro botas.

LINHART (Palma de Mallorca, 1968) Erste Arbeiten veröffentlicht in El Víbora. War zusammen mit Martí der erste Spanier der in der Anthologie Drawn & Quaterly veröffentlicht wurde. Neben seiner Tätigkeit als Illustrator und Zeichner von Kinder-Comics, hat Linard ein persönliches und beunruhigendes Werk geschaffen, für das seine bisher einzige Monografie Fin ein gutes Beispiel ist.

MARTÍ (Barcelona, 1955) War während Jahren einer der Pfeiler der Zeitschrift El Víbora, wo er mit seinem unnachahmbaren Zeichenstil und seiner bedingungslosen Art zu erzählen beeindruckte. Dank seiner Mitarbeit bei Publikationen wie Raw oder Drawn & Quaterly fand er auch international Beachtung. Veröffentlichte eine Reihe wichtiger Alben darunter Meilensteine wie Taxista, Monstruos Modernos, Doctor Vértigo, Terrorista und Historias de realismo sucio.

MAX (Barcelona, 1956) Grafiker, Illustrator, Plakatmaler und vor allem Comicszeichner mit rund zwanzig veröffentlichten Alben. Einer der Pioniere des spanischen Untergrunds und ein weiterer Pfeiler von El Víbora, für die er Galionsfiguren des spanischen Comics schuf, wie Gustavo oder Peter Pank. Gründer und Herausgeber von Nosotros Somos Los Muertos. Vor kurzem erschien ein in jeder Hinsicht luxuriöses Album, das einen Teil seines Comic-Schaffens vereint: Espiasueños.

MIGUEL B. NÚÑEZ (Madrid, 1970) Einer der kreativsten Autoren der letzten Jahre, seziert in Werken wie M, Demonios internos, Interferencias, Stroszek, El último hombre oder Muertemanía die Befindlichkeit des Menschen. Veröffentlichte viel in Fanzines und Zeitschriften wie Idiota y Diminuto, Tos, Nosotros Somos Los Muertos und El Víbora. Gründete mit dem Zeichner Paco Alcázar, mit dem er auch in der Band Humbert Humbert spielt, das Fanzine Recto.

JAVIER OLIVARES (Madrid, 1964) Comics-Zeichner, Illustrator und Kinderbuchautor, veröffentlichte zuerst in Madriz. Herausgeber des Fanzines Owo und Mitbegründer der Ediciones Malasombra. Fasste sein umständehalber stark verzetteltes Werk in unentbehrlichen Sammelalben wie Cuentos de la estrella legumbre, Tiempo muerto, Estados Carenciales und La caja negra zusammen. Arbeitet zur Zeit mit Santiago Garcia an Beowulf.

ÓSCAR PALMER (Mallorca, 1975) Journalist und Übersetzer. Er leitete die auf Comics-Kritik spezialisierten Zeitschriften Volumen und U. Autor der Bücher Guía básica del cómic (mit Eric Frattini) und Cómic alternativo de los '90, la herencia del Underground. Mitarbeit am Gemeinschaftswerk El día del niño, herausgegeben vom Internationalen Film Festival von Sitges.

SANTIAGO SEQUEIROS (Buenos Aires, 1971) Aufgewachsen in Sevilla. War das junge Talent in der letzten Phase der Zeitschrift Totem (diese Geschichten veröffentlichte er später in zwei Bänden von La mala pena), setzte sich später mit den beiden starken Alben Ambigú und Nostromo Quebranto durch, denen Tó Apeirón folgte. Illustrierte zwei überaus erfolgreiche Bücher von José Luis Sampedro: El mercado y la globalización und Los mongoles en Bagdad.





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