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Internationales Comic-Schaffen
David B. - Stargast
Marjane Satrapi – Kindheitserinnerungen einer Iranerin
Gastgruppe Südafrika
Katz & Goldt
Junge Zeichner aus Spanien
Calle Claus, TeER, Jule K.
Willem – politischer Cartoon
Comics im Kunstmuseum Luzern
True Stories
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Lorenzo Mattotti
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Caroline Sury
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Stefano Ricci
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Dominique Goblet
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Comic-Zeichner und bildende Künstler verbindet eine rund hundertjährige Beziehung der Faszination und Verachtung, des Gebens und Nehmens, der Annäherungen und Abgrenzungen und vor allem: Der Missverständnisse. Diese Geschichte fand in Lyonel Feininger ihren ersten Grenzüberschreiter - die Kunstwelt indessen hat den Umstand, dass der als kubistischer Maler und Bauhausmeister bekannte Feininger seine Laufbahn 1894 als begnadeter und erfolgreicher Cartoonist und Comic-Zeichner begann, lange geflissentlich verdrängt. An Picassos Ausspruch, er bereue nur eines: Keine Comics gezeichnet zu haben, erinnert sich vor allem die durch des Maestros Bekenntnis gebauchpinselte Comic-Szene. Dann gibt es noch Roy Lichtenstein: Indem der Pop-Artist Einzelbilder aus trashigen Sixties-Comics grossformatig abmalte und mit neuen Sprechblasentexten versehen zu Kunstwerken adelte, gelangte er zu Weltrum - von wem aber die bunten Vorlagen stammten, interessierte niemanden. Warum auch? Comics sind ja keine Kunst.
Lange haben bildende Künstler die Comics als einen unerschöpflichen Fundus brauchbarer Ikonen betrachtet, in welchem sie sich frei bedienen konnten: Die Comics boten den Ruch des Niederen und Verbotenen, ihre Vitalität belebte Galerie- und Museumswände, und ihre Popularität garantierte Realitätshaftung durch Wiedererkennung. Die Comics selber hingegen hatten, ausserhalb Frankreichs jedenfalls, im Museum nichts zu suchen. Die meisten Versuche wiederum von Comic-Zeichnern (die, zumindest in den ersten Jahrzehnten der Comic-Geschichte, nicht selten verhinderte Maler waren - als Beispiel soll hier nur der Globi-Zeichner Robert Lips erwähnt werden), in der Kunstwelt Fuss zu fassen, scheiterten zugegebenermassen an der mangelnden Qualität ihrer Arbeiten. Ein vergrössertes Comic-Panel ist kein Bild, bildende Kunst und Comics sind zwei unterschiedliche Ausdrucksformen mit eigenen Gesetzen, Möglichkeiten und Beschränkungen.
Zum Glück sind sowohl die Kunst-, als auch die Comic-Szene in Bewegung: Seit den siebziger Jahren setzen sich immer mehr Künstler durch, die die letztlich künstliche Abgrenzung zwischen hoher und niederer Kultur unterlaufen und sich in beiden Welten gleichermassen wohlfühlen. Einer der ersten und bis heute konsequentesten Grenzgänger ist Gary Panter (Gast am Fumetto 2003), der eine ordentliche Karriere im Kunstbetrieb zugunsten eines anarchischen Vorwärtsgehens in alle Richtungen (Comics, Kunst, Illustration, Bühnenbilder, Webanimationen, Multimediaperformances, Werbung, Musik etc.) geopfert hat und heute das grosse Vorbild zahlloser ähnlich gesinnter Künstler auf der ganzen Welt ist. In der Schweiz ist M.S. Bastian (der dieses Jahr die "Le Pulp"-Fumetto-Bar dekoriert hat) das erfolgreichste Beispiel eines Künstlers, der sich unbekümmert zwischen Comic und Kunst tummelt. Eine ähnlich offene und eigenwillige Haltung prägt auch die Arbeit und das Vorgehen der im Kunstmuseum präsentierten Lorenzo Mattotti, Dominique Goblet, Stefano Ricci und Caroline Sury.
Es ist kein Zufall, dass alle diese Künstler bereits am Luzerner Comix-Festival Fumetto ausgestellt wurden. In der Tat ist Fumetto das vermutlich einzige Comic-Festival, das sich seit seinen Anfängen dermassen bewusst und konsequent mit den Schnittstellen zwischen Comics und Kunst auseinandersetzt. Dabei war es nie die Absicht, die Comics durch etwelche Konzepte und Dogmen "aufzuwerten" und zu "hoher Kunst" zu stilisieren - Fumetto wollte und will ganz einfach zeigen, wie interessant die in diesem weit offenen Brachland entstehenden Arbeiten sind.
Als Gast im Kunstmuseum nutzt Fumetto die Chance, in einer Gruppenausstellung zwei Künstlerinnen und zwei Künstler zu zeigen, für die die Comic-Panels immer wieder zu eng sind. Dominique Goblet, Caroline Sury, Stefano Ricci und Lorenzo Mattotti haben sich ihre Freiräume geschaffen, um die für das jeweilige Projekt adäquate Form zu finden - das können Comics oder Bilder sein, aber auch Zeichnungen, Siebdrucke, Objekte oder Installationen. Bei aller Individualität ist ihnen aber etwas gemein: Sie leugnen ihre Comic-Wurzeln nicht, sondern bekennen sich im Gegenteil stolz zu ihrer künstlerischen Herkunft. Deshalb ist in allen ihren Arbeiten - in ihren Comics ebenso wie in ihren Einzelbildern - eine narrative Ebene vorhanden.
Ausstellung:
Lorenzo Mattotti (Italien/Frankreich)
Der 1954 in Brescia geborene und heute in Paris lebende Mattotti hat sich von Anfang an gegen das starre Comic-Korsett gewehrt. 1983 riss die von ihm mitgegründete Gruppe Valvoline die Grenzen zwischen Comic, Illustration, Mode, Architektur und Design ein. Sein erstes Meisterwerk "Feuer" (1986) revolutionierte dank des expressiven Strichs und der opulenten Farben die Sprache der Comics und hat seither Generationen von Comic-Zeichnern inspiriert. Als Comic-Autor geniesst Lorenzo Mattotti (Fumetto-Stargast 1994) heute Weltruf, er gehört zu den Ausnahmekünstlern, die sich stetig weiterentwickeln und sowohl inhaltlich wie auch formal Neues wagen. Noch begehrter ist Mattotti heute aber als Illustrator: Er arbeitet regelmässig für den New Yorker, Le Monde, Cosmopolitan, Vanity Fair, SZ-Magazin, NZZ-Folio, er gestaltet Plakate vor allem für kulturelle Anlässe (für das Filmfestival von Cannes 2000 etwa) und hat nicht nur für seine Comics, sondern auch für seine Kinderbücher wichtige Preise gewonnen.
Letzte Veröffentlichungen: "Der Klang des Rauhreifs" (mit Jorge Zentner, 2003), "Doktor Jekyll & Mister Hyde" (mit Jerry Kramsky, 2002), "Feuer" (1986/2003, alle Carlsen Comics); "Angkor" (2004), "La Chambre" (2004), "Les Affiches de Mattotti" (2003, alle Le Seuil)
www.mattotti.com
Caroline Sury (Frankreich)
Caroline Sury, 1964 geboren, betreibt mit ihrem Partner Pakito Bolino den umtriebigen Underground-Verlag Le Dernier Cri in Marseille, der mit spektakulären Siebdruckbüchern, wilden Videofilmen und sensationellen Ausstellungen (z.B. Hôpital Brut am Fumetto 1999) für Furore sorgt. In erster Linie ist Caroline Sury aber eine hochbegabte Künstlerin, die - immer inspiriert von ihrem Leben und ihrem Alltag - mit rohem Strich ausdrucksstarke, chaotisch anmutende Bilder zeichnet, in denen sie nicht mit spöttischer bis böser Überzeichnung geizt. Neben Publikationen im eigenen Verlag zeichnet Caroline Sury regelmässig auch für L'Association, Strapazin und andere einschlägige Comic-Magazine und kommentiert den Alltag in der Mittelmeer-Metropole Marseille in einer wöchentlichen Zeichnung für das dortige Magazin "L'Hebdo".
Letzte Veröffentlichung: "Féroce Agenda de Mars" (2003, Le Dernier Cri)
www.lederniercri.org
Stefano Ricci (Italien/Deutschland)
Stefano Ricci (1966) ist sozusagen der Renaissance-Mann dieser Ausstellung: Er ist Comic-Autor, Illustrator und Künstler, aber auch Verleger, Siebdrucker und Ausstellungsmacher. Mit Giovanna Anceschi gab er die Reihe "Mano" (präsentiert am Fumetto 2002), die sich auf eine ebenso sinnliche wie intellektuelle, immer aber sehr offene Weise mit der Zeichnung im weitesten Sinn auseinandersetzte: Mit Bildergeschichten, Zeichnungen, Storyboards, Karikaturen etc. Diese Auseinandersetzung prägt auch seine eigene Arbeit: Auf jedem seiner Blätter ist der ganze Arbeitsprozess, von der ersten Skizze bis zum finalen Werk, sichtbar; er schichtet Arbeitsphase über Arbeitsphase, und seine Verwendung von Materialien wie Ölpastellkreide, Bleistift, Klebeband, Leimstift, Transparentpapier, Wasserfarbe oder Spray verleiht seinen Bildern eine geradezu reliefartige Oberfläche, die bisweilen an Farbschichten und andere organische Ablagerungen auf alten Mauern gemahnt. Seine Bilder und Illustrationen, aber auch seine Comics leben mehr von Atmosphären und Andeutungen denn von klaren narrativen Strukturen - ihre Unbestimmtheit soll eine subjektive Lesbarkeit ermöglichen.
Letzte Veröffentlichungen: "Dépot Noir 2" (Fréon, 2002), "Anita" (mit Gabriella Giandelli, 2001)
Dominique Goblet (Belgien)
Dominique Goblet war in Luzern schon mehrmals zu sehen: 1994 auf der Kapellbrücke, 1998 im Schwimmbad und im Hotel Rebstock. Dominique Goblet, die an der für ihre Comic-Kurse berühmten Kunsthochschule Saint-Luc in Brüssel studierte und ihre ersten Arbeiten im Umfeld der Comic-Avantgarde-Gruppe Fréon (heute Fremok) veröffentlichte, ist eine der talentiertesten Autorinnen und Zeichnerinnen ihrer Generation. Auch wenn auf den ersten Blick die Qualität ihrer Bilder auffällt, so steht für sie, wie sie gerne betont, immer das Erzählen einer Geschichte im Mittelpunkt. Das Pikturale und das Narrative halten sich die Waage; Dominique Goblet ist eine ausserordentliche Zeichnerin, die es auch versteht, auf wenigen Seiten komplexe und starke Geschichten subtil zu vermitteln. Die Comic-Szene wartet gespannt auf ihren autobiographischen Comic über ihr Verhältnis zu ihren Eltern, der noch 2004 im französischen Autorenverlag L'Association erscheinen wird. Die Kunstszene hingegen verfolgt mit Interesse ihr bereits mehrmals ausgezeichnetes Work in Progress "Nikita - Dominique Goblet et sa fille": In gegenseitigen Portraits halten Dominique Goblet und ihre Tochter Nikita die äusseren und inneren Veränderungen ihrer Beziehung fest.
Letzte Veröffentlichung: "Souvenir d'une journée parfaite" (Fréon, 2001)
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