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Internationales Comic-Schaffen
David B. - Stargast
Marjane Satrapi – Kindheitserinnerungen einer Iranerin
Gastgruppe Südafrika
Katz & Goldt
Junge Zeichner aus Spanien
Calle Claus, TeER, Jule K.
Willem – politischer Cartoon
Comics im Kunstmuseum Luzern
True Stories
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In "Persepolis" verknüpft die in Paris lebende Iranerin Marjane Satrapi ihre Autobiographie mit der Geschichte des Irans seit dem Sturz des Schahs 1979 und landete damit einen überraschenden Erfolg: Mit einer Gesamtauflage von mittlerweile über 200'000 Exemplaren mauserte sich "Persepolis" in Frankreich zu einem echten Bestseller, das Buch wurde in verschiedene Sprachen (englisch, italienisch, portugiesisch, spanisch, holländisch und deutsch) übersetzt. Marjane Satrapi wird mit wichtigen Preisen geradezu überhäuft und sie avancierte zum Medienstar - als die iranische Friedensnobelpreisträgerin unlängst Frankreich bereiste, amtierte Satrapi als ihre offizielle Übersetzerin. Das Phänomen Satrapi macht deutlich, wie gross das Bedürfnis nach Comics ist, die brisante politische und zeitgeschichtliche Themen aufgreifen.
Dabei ist die 1969 in Rasht geborene und in Teheran aufgewachsene Marjane Satrapi gar keine Comic-Zeichnerin, sondern Kinderbuch-Illustratorin. Comic-Autorin wurde sie aus Zufall - sie teilte ihr Atelier mit ein paar Leuten aus dem Umfeld des unabhängigen französischen Verlags L'Association, die sie drängten, ihre Erfahrungen aufzuzeichnen - und aus Pflichtgefühl: "Als ich 1994 in Frankreich ankam, fielen mir sofort die Vorurteile meiner Heimat gegenüber auf", erklärt sie im Gespräch. "Ich musste pausenlos gegen die hauptsächlich durch die Medien verbreiteten Klischees und Vereinfachungen anreden und das hiesige Bild des Irans korrigieren. Eines Tages hatte ich dann das Bedürfnis, die letzten zwanzig Jahre, die den Iran - und auch das Leben seiner Bevölkerung - so gänzlich umgekrempelt haben, festzuhalten."
Vordergründig erzählt Marjane Satrapi in "Persepolis" eine Mischung aus Autobiographie und Familiengeschichte aus der Perspektive des kleinen Mädchens, das sie war, als 1979 die Revolution gegen den Schah ausbrach, doch geht es ganz offensichtlich nicht in erster Linie um sie selber - der aufgeweckte, bisweilen altkluge Spross einer gebildeten linken Mittelstandsfamilie mit hochadligen Wurzeln dient dem Leser als Vermittlerin und Reflektorin des zeitgeschichtlichen Geschehens. "Ich erzähle", erläutert Satrapi, "die grosse Geschichte anhand der kleinen Geschichte." Dazu greift sie alltägliche Anekdoten heraus, die ein vielsagendes Licht auf die Ereignisse werfen, und diese wiederum bettet sie in die mit wenigen Bildern skizzierten historischen Zusammenhänge ein. Satrapi beschreibt die unaufhaltsame Veränderung vom Königreich über die (ursprünglich linke) Revolution zum Gottesstaat, in welchem bald auch emanzipierte Frauen das Kopftuch überstreifen mussten; sie schildert ihren Alltag während des Kriegs zwischen Iran und Irak, ihr Exil in Wien und ihre spätere Rückkehr in die Heimat, in welcher der Ausnahmezustand längst Normalität geworden ist. Die stärksten Momente von "Persepolis" sind die Versuche ihrer Familie und Freundinnen, inmitten von Krieg, Propaganda, religiöser Repression und materieller Not eine gewisse Normalität aufrechtzuhalten. Das ist nicht einfach: Die privaten Parties, an denen auch Alkohol gereicht wird, sind ebenso illegal wie die Kim-Wilde-Kassetten vom Schwarzmarkt.
Satrapis Blick zurück ist von entwaffnender Klarheit und voller Humor, er wirkt nie bitter oder nachtragend - desgleichen ist sie auch den Opfern gegenüber nicht nachsichtig und vermeidet jegliches Selbstmitleid. Ihre Geschichte illustriert sie in einem klaren, bisweilen naiv anmutenden, immer aber gut lesbaren Stil, der ganz im Dienst der Narration steht, und mit dem sie ein möglichst breites Publikum zu erreichen hoffte. Dass sie ihren Erfolg nicht nur ihren Qualitäten als Comic-Autorin verdankt, sondern auch dem Thema und insbesondere dem Umstand, dass hier eine betroffene Frau ihr Aufwachsen in einem islamischen Land schildert, ist letztlich irrelevant. Marjane Satrapi geht es nicht so sehr um die Anerkennung als Comic-Zeichnerin, als um die Vermittlung ihrer Botschaft. Ein Sprachrohr für ihr Land zu sein, das sei ihre Mission, betont sie immer wieder. Diesen Auftrag hat sie erfüllt. Sehr erfolgreich.
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