Schweizer Comic-Schaffen



Bruno Moser/Reto Gloor/Massimo Milano
Matthias Gnehm
Elvis Studio. Helge Reumann und Xavier Robel (Genf)
M.S. Bastian, Isabelle L. (Biel), MC Anliker (Thun) "Pulp" Fumetto-Bar
Felice Bruno / Heini Andermatt
Tino Roellin / Stefanie Dietiker
Al Aqua - CH-Forum
Sandra Luchsinger / Ivo Habermacher
Stefan Bucher-Twerenbold


Bruno Moser/Reto Gloor/Massimo Milano

[ 2 ] Picasso Museum, Sala Terrena, Furrengasse 21


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Zürich, 1916. Während des ersten Weltkriegs zieht die "kleine Stadt am See" viele Menschen aus den Kriegsmächten an: Flüchtlinge, Deserteure, Pazifisten, Politiker, Künstler und andere Verfolgte treffen an der Limmat zusammen. Als Reaktion auf die grauenhafte Absurdität des grossen Schlachtens entsteht eine der wichtigsten künstlerischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts, der Dadaismus. Neben Persönlichkeiten wie Lenin, James Joyce und den Dadaisten Hugo Ball und Tristan Tzara treiben sich allerdings auch Geschäftsleute, Spione und andere undurchsichtige Gestalten in der Bankenstadt herum.

In dieses Milieu gerät auch der Lausanner Polizeibeamte Charles Vallat, der sich aus Liebe zu einer Zürcherin an die Limmat versetzen liess und in der politischen Abteilung des Zürcher Polizeikorps landete. Um verdächtige Immigranten zu überwachen wird er als verdeckter Ermittler in die Kunst- und Politszene um den "Schwarzen Bund" eingeschleust. Dabei entdeckt er, dass sein Vorgesetzter, Polizeikommandant Jucker, ein doppeltes Spiel spielt und droht, das Opfer dubioser und mörderischer Machenschaften zu werden.

"Vallat" erzählt eine fiktive Geschichte vor gut recherchiertem historischem Hintergrund. Auf 270 Seiten vermittelt das Autoren-/Zeichnergespann Bruno Moser, Reto Gloor und Massimo Milano neben der spannenden Story auch viel Atmosphäre und Kolorit aus einer kulturell und politisch bedeutsamen Phase, in welcher Zürich einen kurzen Moment lang zum Zentrum umwälzender Entwicklungen war, die das 20. Jahrhundert politisch und kulturell geprägt haben.

Auffallend an diesem ambitiösen Comic-Album ist nicht in erster Linie die Länge, sondern die für die deutschsprachige Comic-Szene unübliche Arbeitsteilung: Bruno Moser schrieb die Story, Reto Gloor verarbeitete sie zu einem Comic-Szenario, und Massimo Milano setzte sie zeichnerisch um. Die Arbeitsteilung war der Qualität des Comic-Romans insofern dienlich, als jeder der drei Autoren seine individuellen Neigungen und Fähigkeiten ausspielen konnte. So konnte sich Reto Gloor, dank Comics wie "Matter" und "Katharina von Dornach" einer der erfolgreichsten Schweizer Comic-Erzähler, ganz auf die Umsetzung von Bruno Mosers Geschichte in ein süffiges Szenario konzentrieren, während Massimo Milano, der seit einigen Jahren als eines der meistversprechenden hiesigen Comic-Talente gehandelt wird, sich ganz den Zeichnungen widmen konnte. Das Resultat beweist, dass sich die Arbeitsteilung in gewissen Fällen lohnt: "Vallat" ist ein vielschichtiger, ebenso atmosphärischer wie temporeicher Thriller von bestechender Qualität.



Biographien:
Bruno Moser
Der 1965 geborene Bruno Moser wuchs in Jona SG auf, liess sich zum Hochbauzeichner ausbilden und besuchte 1986 den Vorkurs an der Schule für Gestaltung Zürich. Die Geschichte zu "Vallat" entstand während eines längeren Aufenthaltes in Italien. Heute lebt und arbeitet Bruno Moser als freier Illustrator und Künstler in Jona.

Reto Gloor
Reto Gloor kam 1962 zur Welt und wuchs im aargauischen Schöftland auf. Von 1988-1994 liess er sich an der Schule für Gestaltung Basel zum Zeichenlehrer ausbilden. Ausstellungen in Zofingen, Aarburg, Lenzburg, Luzern, Basel, Aarau, Baden.
Bibliographie (Auswahl): "Matter" (1992), "Matter entZWEIt" (1993), "Meyer&Meyer" (1996, alle mit Markus Kirchhofer, Edition Moderne); "Katharina von Dornach" (1998, Lehrmittelverlag Kt. Solothurn)

Massimo Milano
Der 1968 in Süditalien geborene Massimo Milano wuchs in Kaltbrunn SG auf. Nach seiner Ausbildung zum Hochbauzeichner besuchte er den Vorkurs an der Schule für Gestaltung St. Gallen. Seit 1994 arbeitet und lebt er als freier Illustrator und Comic-Zeichner in Rapperswil. Ausstellungen in Pfäffikon, Uznach und Lausanne.
Bibliographie: "Route 23" (1998, Töpfferware); "Weisse Bohnen, Rote Bohnen" (1999, Edition Kleeblatt); "Ein wunderschöner Tag" (2002, mirnix-dirnix); diverse Kurzgeschichten im Comic-Magazin "Strapazin"manuel Guibert; Dupuis, 2000)





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