Schweizer Comic-Schaffen



Bruno Moser/Reto Gloor/Massimo Milano
Matthias Gnehm
Elvis Studio. Helge Reumann und Xavier Robel (Genf)
M.S. Bastian, Isabelle L. (Biel), MC Anliker (Thun) "Pulp" Fumetto-Bar
Felice Bruno / Heini Andermatt
Tino Roellin / Stefanie Dietiker
Al Aqua - CH-Forum
Sandra Luchsinger / Ivo Habermacher
Stefan Bucher-Twerenbold


Matthias Gnehm

[ 9 ] Hotel Union, Löwenstrasse 16: "Pulp" Fumetto-Bar





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Dank der Alben "Paul Corks Geschmack" und "Rätsel in Weiss" hat sich Matthias Gnehm nicht nur als eines der meistversprechenden Talente der Schweizer Comic-Szene etabliert, sondern hat auch in Frankreich, dem nach wie vor grössten Comic-Markt Europas, Fuss fassen können. Auch der erste Band seines auf zwei Bände angelegten Wirtschaftskrimis "Tod eines Bankiers. Das Leben ist teuer" erscheint sowohl auf Französisch (bei EP Editions, Paris) als auch auf Deutsch (in der Edition Moderne, Zürich)

In "Tod eines Bankiers" entpuppt sich Gnehm, der erstmals auf die bewährten Dienste seines Szenaristen Francis Rivolta verzichtet und diese ihn seit langem beschäftigende Geschichte im Alleingang verfasst und gezeichnet hat, ausserdem als solider Erzähler, der seinen an überraschenden Wendungen reichen Krimi sicher und mit grosser atmosphärischer Dichte umsetzt.

Die Story: Der todkranke Bankchef Charles Gubler gibt seinen beiden möglichen Nachfolgern Marcel Krohn und Hans Blatter den Auftrag, ihn nicht an den Folgen seiner unheilbaren Krankheit sterben zu lassen, sondern ihn zu töten und aus seinem Tod den maximalen Profit für die Bank zu erwirtschaften. Damit sollen die Schulden, die aus den Investitionen in den Bau des neuen Kongress-, Kultur- und Wirtschaftszentrums entstanden sind, beglichen und die Bank Gubler vor dem Bankrott gerettet werden. Der Verfasser des besseren Plans werde, nach dessen erfolgreicher Ausführung, als alleiniger Nachfolger eingesetzt und mit dem Vermögen des Verstorbenen bedacht. Marcel Krohn, der Held der Geschichte, erarbeitet eine überzeugende Strategie: Er will zusammen mit Charles Gubler seinen Konkurrenten Hans Blatter täuschen, ihn so die Drecksarbeit tun lassen und ihn dann verraten, um mit sauberen Händen selber an die Spitze der Bank zu kommen. Doch muss er realisieren, dass er selbst auf eine von Gubler und Blatter perfekt inszenierte Täuschung hereingefallen ist … und landet, der Verleumdung angeklagt, im Gefängnis.

Den ersten Band seines moralischen Bankenthrillers schliesst Gnehm gekonnt mit einem Cliffhanger und vielen Fragezeichen ab - und schon wartet man gespannt auf den zweiten Band, in welchem man hoffentlich erfährt, ob und wie Marcel Krohn hinter den teuflischen Plan von Hans Blatter kommt, oder ob nicht auch Blatter das Spielzeug ist in einem anderen, noch verzwickteren Plan ...

Diese Fragen können und sollen in der Ausstellung nicht beantwortet werden. Die Ausstellung zeigt dennoch mehr als die 41 Comic-Originalseiten des ersten Bands von "Tod eines Bankiers". Mit seinem Krimi mischt sich Gnehm, der 1999 sein Architektur-Studium an der ETH abschloss, nämlich in die aktuelle Diskussion um die Umgestaltung des Zürcher Kongresshauses ein. Gublers Kultur-, Kongress- und Wirtschaftszentrum am Bürkliplatz (dessen Überdimension an ein anderes, ebenfalls an einem See gelegenes Kultur- und Kongresszentrum gemahnt ...) ist ein durchaus ernsthafter Versuch, das architektonische und städtebauliche Potential des Bürkliplatzes zu reflektieren und diesen als Alternative zum alten Standort bei der Tonhalle, an dem für das neue Kongresshaus festgehalten wird, ins Spiel zu bringen.

Der Architekt Gnehm ergänzt und erweitert die Ausstellung des Comic-Zeichners Gnehm mit Elementen, die im Buch keinen Platz fanden, beziehungsweise sich in Buchform nicht umsetzen liessen: Architektonische Pläne, städtebauliche Entwürfe und dreidimensionale Modelle, darunter ein grosses Modell seines fiktiven Kultur-, Kongress- und Wirtschaftszentrums. Ausserdem hat Matthias Gnehm vier weitere junge Architektenteams eingeladen, ihrerseits Entwürfe für die an diesem Ort versammelten neuen Gebäude zu schaffen: Neben Matthias Gnehms Vorschlag für ein neues Kongresshaus entwirft Christian Waldvogel das Museum der Charles Gubler Collection, Christ & Gantenbein zeichnen das Neue Schauspielhaus, Christoph Sauter plant das Hotel Baur Palace, Robin Winogrand & Jacqueline Parish sind für die Landschaftsarchitektur verantwortlich und von huggen_beger Architekten stammt die neue Seeufergestaltung.

Die Ausstellung erlebt am Luzerner Comix-Festival Fumetto ihre Premiere. Danach ist sie im Architekturforum Zürich, am Comicfestival Sierre und im Architekturmuseum Basel zu sehen.





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