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Internationales Comic-Schaffen
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Gastgruppe Südafrika
Katz & Goldt
Junge Zeichner aus Spanien
Calle Claus, TeER, Jule K.
Willem – politischer Cartoon
Comics im Kunstmuseum Luzern
True Stories
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Willem ist einer der wichtigsten politischen Cartoonisten Europas. Seine Zeichnungen, die vor allem in der auflagenstarken französischen Tageszeitung Libération erscheinen, nehmen mit einer unbestechlichen graphischen wie inhaltlichen Schärfe die aktuelle Situation aufs Korn. Tag für Tag beweist Willem, dass eine gute und pointierte Zeitung mehr aussagen kann als der wortgewaltigste Leitartikel.
Bernard Willem Holtrop wurde 1941 als Sohn eines Arztes in den Niederlanden geboren. Der kleine Willem blätterte am liebsten in Vaters Anatomiebüchern, verschmähte aber die illustrierte Bibel aus dem Jahre 1700 oder das amerikanische "Life"-Magazin keineswegs. Von 1962 bis 1967 studierte er an den Kunsthochschulen in Arnhem und Den Bosch. Ab 1965 arbeitete er als Zeichner und Journalist für die Provos, die kreativen anarcho-dadaistischen Unruhestifter der Niederlande. Er gründete eine eigene Zeitschrift namens God, Nederland & Oranje, die aber nicht über neun Ausgaben hinauskam, unter anderem, weil fast jede Nummer beschlagnahmt wurde. In einem Fall hatte Willem die damalige Königin Juliane als Prostituierte in einem der berühmten Nutten-Schaufenster Amsterdams gezeichnet.
1968 publizierte er sein erstes Buch, "Billy the Kid", das vom Vietnamkrieg handelte (mittlerweile zählt seine Bibliographie über 60 Titel!), und zog im August desselben Jahres nach Paris, wo er bald für das satirisch-politische Magazin Harakiri zu zeichnen begann. Seit 1986, nach dem Verschwinden von Harakiri, arbeitet er regelmässig als Cartoonist und Illustrator für "Libération", neuerdings auch wieder für das satirische Wochenmagazin "Charlie Hebdo" und das holländische "HP - De Tijd".
Zeichnen ist für Willem gleichbedeutend mit Kämpfen; aus seiner Haltung, seinem Engagement, seinen Überzeugungen macht er kein Hehl, aber er kritisiert ohne Rücksicht auf Verluste und greift ohne Scheuklappen auch die eigenen Kreise an. Dummheit, Fanatismus, Korruption, Fundamentalismus, Ungerechtigkeit, Moral, Heuchelei und vieles mehr ist eine für ihn unerschöpfliche Inspiration für ebenso witzige wie böse Kommentare. Wer nun aber einen drögen Alt-68ger erwartet, wird eines besseren belehrt. Willem, ein würdiger älterer Herr mit schlohweissem Haar und der sympathischen Ausstrahlung eines leicht zerstreuten Professors, scheint keine Lust auf Frührente zu haben, und Altersmilde ist ihm ein Fremdwort - er wird im Gegenteil von Jahr zu Jahr bissiger, unbestechlicher und kompromissloser.
Für die Presse im deutschen Sprachraum wäre Willem sowohl inhaltlich wie auch graphisch eine Unmöglichkeit: Inhaltlich ist er viel zu kantig und zu provokativ, und zeichnerisch ist er zu eigenständig und widerspricht den altbackenen "Politcartoon"-Klischees, auf die die Zeitungen und Magazine in Deutschland und der Schweiz setzen - wenn sie denn überhaupt auf Zeichnungen zurückgreifen. Aber solche Kost täte unseren Zeitungen gut. Unseren Politikern und Meinungsmachern auch. Und vor allem uns Lesern.
In der (französisch-sprachigen) Comic-Szene spielt Willem noch eine weitere, nicht zu unterschätzende Rolle: Seit 1968 verfasst er die wöchentliche Kolumne "Images". In dieser handgeschriebenen und gezeichneten Kolumne rezensiert er mit der ihm eigenen Neugierde und Offenheit Comics, illustrierte Bücher, Bildbände, Ausstellungen, Fanzines und andere Underground-Publikationen aus allen Bereichen und Ländern. Nichts ist obskur genug, um Willems scharfem Blick zu entgehen, und das macht aus dieser Kolumne, die seit 1986 in "Libération" erscheint, eine der besten und aktuellsten Informationsquellen für unabhängiges und undergroundiges Schaffen.
www.willem.mm.free.fr
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